Tanzania 23.05. – 14.06.2022
„Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngong Berge.“
Manch ein Leser wird dieses Zitat als ersten Satz aus dem oscarprämierten Film „Jenseits von Afrika“ mit Meryl Streep und Robert Redford wiederkennen, einem der Lieblingsfilme von Antonias Mutter (dem aufmerksamen Leser bereits bekannt aus unserem Beitrag „Back to the Roots“). Ihre Begeisterung für die Geschichte und die tollen Filmaufnahmen haben sicherlich dazu beigetragen, dass die gesamte Familie Thiel vor rund 20 Jahren nach Kenia flog. Natur und Tiere, sowie die Lebensfreude der Menschen trotz der Wellblechhäuser und brennenden Gummireifen am Straßenrand haben Antonia damals tief beeindruckt und früh eine Faszination für diesen Kontinent geweckt. Auch Carstens Interesse war durch den Aufenthalt in Namibia geweckt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass wir nach Ägypten gerne noch mehr vom „richtigen“ Afrika erleben wollten. Irgendwie fühlten wir uns noch nicht bereit, diesen Kontinent zu verlassen.
Mit der Titelmelodie des oben genannten Films in Antonias Ohr (Spotify/YouTube) ging unser kleines Flugzeug am 23.5. in den Landeanflug auf den Kilimajaro International Airport in Tanzania. Seinen Namensgeber (und gleichzeitig unser erstes Reiseziel) konnten wir bereits aus dem Flugzeug bewundern. Wie es zu der Idee kam, den höchsten Berg Afrikas zu besteigen, wissen wir beide nicht mehr so genau. Es war weder ein langgehegter Lebenstraum noch ein unbedingtes Muss auf einer unserer bucket-Listen. Wahrscheinlich haben wir uns in der Hitze Ägyptens gedacht, wenn man schon mal „in der Nähe“ ist, warum nicht? Nach der ganzen All-inclusive-Völlerei kann so eine sportliche Betätigung sicher nicht verkehrt sein. So waren schnell eine Route – natürlich die Whisky Route – und Flüge rausgesucht und wir in Tanzania. Der kleine Ort Moshi, Startpunkt für die meisten Besteigungen, liegt im Regenwald umgeben von Kaffeeplantagen, Bananenbäumen und Maisfeldern am Fuße des Kilimanjaro. Im Hostel angekommen lernten wir noch am gleichen Tag unseren Guide, Tuliza, kennen und unser Equipment wurde für gut befunden. Fehlende Ausrüstungsgegenstände konnten wir noch mieten.

Spannung und auch etwas Nervosität stiegen deutlich an und nach einer letzten Nacht mit unruhigem Schlaf standen wir am 25.6. um 9:30 Uhr vor dem Hostel, wo ein kleiner Reisebus schon eifrig mit Rucksäcken, Zelten, Proviant etc. (vor allem auch vielen Menschen – wir beide wurden begleitet von: zwei Guides, einem Koch und fünf Trägern, die wir nach und nach alle kennenlernten) beladen wurde. Bei fröhlicher afrikanischer Pop-Musik ging es eine gute Stunde durch den Regenwald bis zum Eingangstor der Machame Route (auf 1800hM). Dort warteten wir eine weitere Stunde, in welcher wir ein frühes Mittagessen bekamen, die Registrierung für den Nationalpark und die Verteilung des Gepäcks erfolgte. Außerdem wollten wir noch eine Gipfelflagge erwerben. Nachdem die Straßenhändler die von uns auserkorene Neuseelandflagge für 70 Dollar verkaufen wollten, entschieden wir uns für die Bayernflagge, die im Park – wie eigentlich alles – wesentlich günstiger war (und die wir am Gipfel letztlich vergaßen, dazu aber später mehr). Dann ging es endlich richtig los.
Die Besteigung des Kilimanjaro auf Swahili
Pole Pole
„Langsam langsam“, das war unser Motto für den gesamten Aufstieg mit Ausnahme der ersten Etappe. In deutlich langsameren Tempo als wir sonst in den Bergen unterwegs sind, ging es die meiste Zeit unseren Guides hinterher, Schritt für Schritt den steinigen Weg hinauf. Überholten wir auf den ersten Etappen noch den ein oder anderen Träger, so änderte sich das bald. Mit 20 kg Gepäck beladen und meist – für europäische Verhältnisse – unzureichender Ausrüstung waren sie insbesondere in der Höhe trotzdem schneller als wir mit unserem leichten Tagesgepäck und zogen mit einem freundlichen „Mambo“ oder „Jambo“ an uns vorbei. Anfangs führte der Weg noch durch den Regenwald und Geruch sowie Geräusche erinnerten uns sehr an das Tropenhaus im Tierpark. Die Landschaft änderte sich bald, die Bäume und Büsche wurden kürzer mit viel mehr Moos, als wir pole pole in die Moorlandschaft kamen. Ab dem dritten Tag auf etwa 4000 Metern (natürlich pole pole) umgaben uns dann nur noch Steine in groß und klein, dafür eröffnete sich immer häufiger der Blick auf unser schnee-und eisbedecktes Ziel, den Uhuru Peak auf 5895hM.

Dada und Kaka
Vom ersten Tag an wurden wir in die Abläufe und Umgangsformen im Camp eingeführt. Wir bekamen neue Namen, Dada (Schwester) und Kaka (Bruder), ein eigenes Zelt mit zwei Campingstühlen und einem Tisch sowie einen Kellner, Bariki, der uns zu den Essenszeiten mit den Köstlichkeiten des Kochs, Tony, bediente. Das Leben unserer Crew spielte sich dagegen in einem einzelnen großen Zelt ab, in dem gekocht und geschlafen wurde, und aus dem durchgehend ein fröhliches Gerede und Lachen zu hören war. Für uns war es eine sehr seltsame Situation, weder das Gepäck und die Ausrüstung selber zu tragen, noch uns um das leibliche Wohl kümmern zu müssen. Manchmal kamen wir uns mehr wie Statisten in einem Film vor, die außer den 3-5 Stunden Laufen am Tag (pole pole) eigentlich keinen Auftrag hatten und von den Vorgängen im Camp auf Grund der Sprachbarriere ausgeschlossen waren. Immerhin hatten wir unsere Würfel dabei.


Hakuna Matata
„Kein Problem!“ Diesen Ausspruch bekamen wir immer häufiger zu hören, je höher es ging. Mit zunehmenden Höhenmetern wurde die Luft sprichwörtlich dünner und die Bedenken bezüglich einer möglichen Höhenkrankheit nahmen zu. Verspürten wir ab 3500 Metern nur ab und zu leichte Kopfschmerzen, machte uns und vor allem Carsten die Höhe ab 4000 Metern deutlich zu schaffen. Nach einem Akklimatisations-Aufenthalt auf 4600 Metern lag er mit stärksten Kopfschmerzen und Übelkeit, bei der an Essen nicht mehr zu denken war, wie ein Häufchen Elend im Zelt. Eine Kombination verschiedener Schmerzmittel besserte die Symptome nur bis zu einem gewissen Grad. Hakuna matata, die Symptome würden sich schon bessern und er solle einfach viel trinken (siehe zu dieser Thematik im nächsten Absatz), das waren die sicherlich gut gemeinten Ratschläge unserer Guides. Wir selber machten uns allerdings etwas mehr Sorgen, insbesondere hinsichtlich der Gipfeletappe, zählten die verbleibende Anzahl von Ibuprofen, Paracetamol und Vomex Tabletten und entwarfen einen Medikamenten-Schlachtplan. Bis zum Gipfel ging dieser auch halbwegs auf, während des Abstiegs nahmen die Symptome – typischerweise mit Verzögerung – dann aber doch deutlich zu und es wurde vor allem für Carsten eine Tortur. Er beschloss schließlich, dass ein kleiner Schneehaufen am Wegesrand auch etwas von seinem erstaunlicherweise noch nicht vollständig verdauten Frühstück verdient hatte, schaffte es aber dann ohne größere Probleme ins Basislager. Nach einer zweistündigen Ruhepause dort waren wir sehr froh, den Abstieg fortsetzen zu können. Denn mit jedem abgestiegenem Meter ging es uns (also Carsten) besser und beim Abendessen fühlten wir uns (also insbesondere Carsten) glücklicherweise selber wieder hakuna matata.


Usiku mwema
Eine „gute Nacht“ hätten wir uns selber gerne gewünscht. Die ungestörte Nachtruhe wurde allerdings von zwei entscheidenden Faktoren verhindert: Flüssigkeit und Kälte. Zur Vorbeugung der Höhenkrankheit waren wir angehalten, viel zu trinken. Da wir normalerweise schon „gute Trinker“ 😉 sind, fiel es uns nicht schwer, die empfohlenen drei Liter einzuhalten, wir machten eher vier bis fünf Liter daraus. Das ganze Wasser ging seinen natürlichen Weg und wir häufig aufs Häusl, auch in der Nacht, wo erschwerend Faktor zwei hinzukam, die Kälte. Bereits vorgewarnt hatten wir die Kälte erwartet, waren aber doch überrascht, WIE kalt es wurde. Wenn man sich mitten in der Nacht aus dem gerade lauwarm gewordenen Schlafsack (der auf einer eher suboptimal isolierenden Stoffmatte lag) quälen musste, waren das Zelt und der Boden gefroren, alles glitzerte im Schein der Stirnlampe und der eigene Atem verdampfte sofort. Fehlende Wolken intensivierten die Kälte noch, gaben allerdings auch den Blick auf einen grandiosen Sternenhimmel frei. Auf Fotos mag dies alles noch faszinierend und romantisch aussehen, aber die gefühlte Realität entlockte uns doch das ein oder andere Schimpfwort. Schimpfend, zitternd und frierend tat man notgedrungen sein Geschäft, genoß mit einem Fluch auf den Lippen kurz den Blick in den Nachthimmel und kehrte (natürlich schimpfend, zitternd und frierend) anschließend ins Zelt zurück. Fünf Schichten und eine Mütze tragend, den Schlafsack fest um den Hals zugezogen, jedes bisschen Wärme konservierend, versuchte man wieder einzuschlafen, die sich bereits füllende Blase ließ einem jedoch bereits in diesem Moment schon wieder Böses ahnen. Gute Nacht – zumindest bis einen die volle Blase wieder weckte (was selbstverständlich meist der Fall war, wenn es gerade halbwegs aushaltbar geworden war).


Pole Pole und hakuna matata zum mkutano wa kilele Uhuru Peak 5895hM
Für die Gipfeletappe wurden wir bereits um 23 Uhr geweckt, nach einem kurzen Snack aus Popcorn und Keksen ging es um 0.00 Uhr los. Mit drei Lagen Kleidung an den Beinen, fünf bis sechs Lagen Kleidung am Oberkörper, dicken Handschuhen und Mütze ging es im Schein der Stirnlampen und unter dem Sternenhimmel besonders langsam – Pole Pole – bergauf. Angepeilt waren sechs bis sieben Stunden bis zum Gipfel. Schnell fanden wir im Wechsel aus Schritt und Stockeinsatz einen fast meditativen Rhythmus, in dem die Stunden und Höhenmeter dahin zogen. Antonia lauschte zudem dem Hörbuch „Moby Dick“, zugegebenermaßen eine etwas ungewöhnliche Wahl für eine Bergbesteigung. Regelmäßig machten wir Pause, um Wasser, Tee und Tabletten zu uns zu nehmen oder noch eine Lage Kleidung zu ergänzen. Es wurde immer kälter, aber wenigstens kam bald auch noch ein eisiger Wind hinzu. Den ersten Checkpoint „Stella Point“ erreichten wir nach fünf Stunden, von da aus war es noch etwa eine Stunde zum Gipfel. Zu diesem Zeitpunkt waren Antonias Hände und Zehen schon eisig und nicht mehr zu spüren – hakuna matata. Tapfer kämpften wir uns weiter und erreichten schließlich um 6 Uhr morgens, gerade zum Sonnenaufgang, den Gipfel. Am Himmel begann ein fantastisches Farbenspiel und im Licht der aufgehenden Sonne konnten wir auch endlich die uns umgebende Landschaft betrachten. Bizarre Gletscherformationen und Schneefelder, umliegende Gipfel und Wolken waren ein lohnender Ausblick für die Mühe. Leider wurde das Gipfelerlebnis von Antonia etwas „abgekürzt“. Am ganzen Körper zitternd, mit taub gefrorenen Fingern und Zehen war ihr einziger Wunsch, wieder von dem Berg runterzukommen und zwar überhaupt nicht pole pole. Diesen gab sie auch lautstark und mit Nachdruck bekannt. So kam es, dass wir lediglich ein paar verwackelte Gipfelfotos schossen und die Bayernflagge gleich ganz im Rucksack vergaßen. Mit der aufgehenden Sonne und jedem abgestiegenen Höhenmeter wurde es wärmer, Finger und Zehen tauten wieder auf und am Ende erreichten wir gegen 8.30 Uhr das Basislager bei Sonnenschein und im Longsleeve. Antonia blieben zwei taube Fingerspitzen und drei taube Zehen, die sich hoffentlich mit der Zeit erholen werden, Carsten hatte lediglich Kopfschmerzen und keinen Hunger (siehe oben), hakuna matata!





Obwohl es definitiv eine tolle Erfahrung war, sind wir beide irgendwie nicht dem Gipfelrausch verfallen. Für uns bleibt eine Hüttentour in den Alpen mit langen Etappen, wärmeren Temperaturen, schnellerem Tempo und ordentlich Gepäck auf dem Rücken sowie gemütlichen Hüttenabenden das Wander- und Bergerlebnis der Wahl. An dieser Stelle möchten wir uns noch ganz herzlich bei all den Merinoschafen bedanken, die uns diese Tour olfaktorisch extrem erleichterten. Wir fragen uns seitdem schon manchmal, wie oft man am Mount Everest auf Toilette geht, ob man am Mount Everest überhaupt auf Toilette geht, wie die Körperhygiene am Mount Everest aussieht und wie es in dem ein oder anderen Zelt riecht (wir werden diesbezüglich wohl einfach mal auf unseren Freund James zugehen müssen, die bislang gesehenes Dokumentationen haben uns hierzu keine Kenntnis verschafft). Auch hier haben wir wieder einmal feststellen müssen, dass ledglich bildlich wiedergegebene Erfahrungen das reelle Erlebnis vor Ort nicht vollständig vermitteln können. Ab sofort wird bei uns in derartigen Dokumentationen vermutlich immer einen leicht schimpfender Untertitel mit eingeblendet. Apropos bildlich: Eine kurze bildliche Zusammenfassung unserer Tour ist auch auf Carstens Instagramprofil zu finden (hier geht es zum Video).
Leider war für uns nach dem Gipfel zunächst Schluss mit Lustig. Wir hatten uns vermutlich bei einem der Guides mit einer unserem Immunsystem unbekannten Art Grippe infiziert – COVID- Schnelltest negativ – und verbrachten die nächsten sieben Tage mit Fieber, Husten, Schnupfen und Halsschmerzen weitgehend im Bett. Die Reisepläne mussten, soweit möglich, geändert werden und wir erst einmal gesunden.
Safari
Bereits gebuchte Flüge verfielen, eine bezahlte fünftägige Safari konnten wir jedoch glücklicherweise gegen einen „geringen“ Aufpreis eine Woche später nachholen. Der Besitzer unseres Hostels hatte uns zwar einen groben Plan gegeben, so richtig wussten wir aber nicht, was uns erwarten würde. Wir vertrauten einfach auf das inzwischen bekannte afrikanische Organisationstalent und schraubten unsere Erwartungen etwas herunter. Noch leicht angeschlagen bestiegen wir am 9. Juni um 6 Uhr morgens einen Jeep, der uns zunächst nach Arusha brache, von wo aus es mit einer anderen Reisegruppe weitergehen sollte. Tatsächlich erwartete uns am Wechselort ein Geländewagen und ein Fahrer, Waldon, der unser Guide für die nächsten Tage sein würde.

Ein nettes Pärchen aus Slowenien vervollständigte die Reisegruppe für diesen Tag und es ging schon bald weiter. In den nächsten Tagen sollten auch noch ein Amerikaner und ein deutsches Pärchen hinzu kommen, so dass in unserem Auto am Ende alle 8 Plätze besetzt waren. Es wurde eine sehr lustige, fröhliche und trinkfreudige Gesellschaft. Auf das Stichwort „it’s time“ wurde zu Ehren besonderer Tiere oder Momente mit dem „Spirit of Tanzania Konyagi“ oder einem ähnlich hervorragenden Äquivalent angestoßen. Und besondere Tiere und Momente gab es wahrlich genug. Für das Trinken von Schnaps sprachen im Übrigen auch andere gute Gründe: 1. Im Gegensatz zum Kilimanjaro waren wir aus Sicherheitsaspekten angehalten, wenig zu trinken, da es in den Nationalparks nur an ausgewählten Stellen möglich ist, das Auto für einen Toilettengang zu verlassen. Gleich zu Beginn warnte Waldon mehrfach vor den gefährlichen Schlangen, vor denen er sich mehr fürchtete als vor den großen Wildtieren (tatsächlich waren dann aber ausreichend Toilettenpausen möglich). 2. Bekanntermaßen ist frisches Trinkwasser in den Nationalparks Mangelware, so dass wir nach dem Motto „save water, drink alcohol“ unseren wertvollen Vorrat für etwaige Notfälle schonten. 3. Selbstverständlich hielten wir uns an die lokalen Coronavorschriften, welche eine regelmäßige Desinfektion vorsahen. Waldon war sichtlich begeistert von unserer guten Stimmung und ließ uns gleich wissen, dass ihn seit seiner Erfahrung mit russischen Gästen nichts mehr überraschen könne.


Wir waren aus Namibia ja schon Wildtiere und tolle Landschaften gewohnt, unsere Safari in Tanzania war jedoch anders und aus unserer Sicht noch einmal ein Stück beeindruckender. Wir besuchten mehrere Nationalparks (Lake Manyara, Tarangire, Serengeti und Ngorongoro) und erkundeten deren abwechslungsreiche und wunderschöne Landschaften. Vor unseren Augen tummelte sich Afrikas Artenreichtum „hautnah“, wie wir es noch nicht erlebt hatten. Zwei Nächte zelteten wir außerdem mitten in den Parks und bekamen abends und nachts Besuch von Flusspferden, Elefanten, Büffeln, Hyänen und anderen Tieren, die unser Camp erkundeten. Manch einer wurde von den fremden Geräusche wachgehalten in der Hoffnung, die Tiere mögen nicht auch noch den Inhalt der Zelte begutachten wollen. Es war eine großartige Erfahrung und wir waren sehr froh, sie doch noch gemacht zu haben. Im Nachhinein hatten wir wirklich Glück, denn Waldon war ein hervorragender Guide, der sich nicht nur mit der Natur, den Tieren und den Örtlichkeiten auskannte, sondern uns auch viel vom alltäglichen Leben und der Kultur Tansanias erzählte, immer ein offenes Ohr hatte und jederzeit gut gelaunt war.
Vor allem die Serengeti machte ihrem Namen alle Ehre. Dieser stammt aus der Massai-Sprache und bedeutet so viel wie endlose Ebene. Wir waren fasziniert und stellten das erste Mal seit dem Segeltörn einen Vergleich zum Atlantik an. Letztlich entschieden wir uns dafür, dass der Atlantik ein Apfel und die Serengeti eine Birne ist (für die Translator benutzenden Leser: In Deutschland gibt es ein Sprichwort, nach dem man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen kann).



Die großen Fünf…





…und andere Tiere











Carsten kam trotz oder vielleicht gerade wegen der Schön- und gefühlten Unberührtheit der Serengeti ins Grübeln. Seiner Meinung nach können Mensch und Natur nicht mehr koexistieren. Auf dem Weg in die Serengeti war klar erkennbar, wo die moderne Zivilisation endet. Danach dürfen nur noch die Massai einen gewissen Teil des Landes „bewohnen“. Nach ihrer Argumentation mischen sie sich mit ihrem nomadischen und asketischen Lebensstil nur unwesentlich in den Lauf der Natur ein. Dennoch ist klar, dass Nutz- und Wildtiere nicht konfliktfrei miteinander auskommen. Nicht umsonst werden die Herden der Massai von Kriegern begleitet, die unter anderem die Aufgabe haben, die Nutztiere vor Angriffen von Wildtieren zu schützen. Auffällig war, dass wir keinen Wildtieren mehr begegneten, sobald der Einfluss des Menschen deutlich sichtbar wurde.




Zudem berichtete uns Waldon, dass die Tierwanderungen, die ja ausschließlich vom Wetter abhängen, in letzter Zeit überhaupt nicht mehr vorhersehbar waren. Der Klimawandel, ein Thema, das unsere Guides schon in der Antarktis regelmäßig ansprachen, hat hier bereits so weitreichende Konsequenzen, dass es bei den Safaris thematisiert werden muss.
Außerdem kamen wir nicht umhin, ein auffälliges Missverhältnis zwischen Lebenshaltungskosten (selbst für Mzungus wie uns) und Preisen für touristische Aktivitäten festzustellen. Wir fragten uns – insbesondere aufgrund der Ausrüstung der Crew am Kilimanjaro – des Öfteren, wie das Geld am Ende verteilt wurde.
Sehr schade fanden wir letztlich, dass wir häufiger explizit gewarnt wurden, auf unsere Sachen aufzupassen. Selbst auf dem Kilimanjaro wurde uns am ersten und am letzten Tag empfohlen, unsere Schuhe während der Nacht mit ins Zelt zu nehmen. Wir fühlten uns zwar zu keinem Zeitpunkt unsicher, aber unterbewusst hatten diese Warnungen sicherlich Auswirkungen.
Mit beeindruckenden Bildern und Abenteuern in Kopf und Herz verließen wir nach der Safari schließlich nach über zwei Monaten den afrikanischen Kontinent Richtung Osten. Bei einem kurzen Zwischenaufenthalt auf Sansibar stimmten wir uns schon einmal auf zukünftige Ziele ein.

Insbesondere Tanzania hatte Höhen und Tiefen, wird uns aber mit den vielen tollen Tieren und Landschaften und seinen freundlichen, lebensfrohen Menschen trotzdem in guter Erinnerung bleiben. Asante sana, Tanzania.


Antonias Lernkurve im Umgang mit Affen: f(x)=0
Für alle mit Mathegrundkurs hier eine kleine Hilfe oder einfach das Video anschauen ;).