Unser Reiseversuch auf einer Urlaubsinsel – Part 1

Indonesien, Bali 26.6. – 13.7.2022

Auf einmal waren wir angekommen. Wir hielten uns in einer balinesischen Wohngegend auf und hatten in einer engen Gasse Platz genommen, die das europäische Auge nicht als solche erkannt hätte. Um uns herum nahmen wir Kombinationen aus verschiedenen Baumaterialien wahr, die einzelne, voneinander abgetrennte Wohneinheiten ergaben. Das, was wir bei uns wohl als Küche bezeichnen würden, war meist vor den Einheiten platziert – in Form von zwei elektrischen oder gasbetriebenen Herdplatten. Wir saßen provisorisch auf Schemeln, die an Kinderstühle erinnerten. In dazu passender Größe stand vor uns eine Holzbank, auf der wir Plastikteller und die Töpfe platzierten, die uns von unseren Gastgebern nach und nach gereicht wurden. In diesen wurden philippinische und javanesische Suppe, fangfrischer Fisch sowie Meeresfrüchte (gegrillt, gekocht und gebraten) selbstverständlich nebst einer ordentlichen Portion Reis serviert. Um uns herum herrschte reges Treiben. Gleich neben uns hatte sich eine größere Ansammlung von Menschen getroffen, um eine religiöse Zeremonie abzuhalten, wie uns der Gastgeber erklärte. Die Nachbarschaft hielt sich ebenfalls weitgehend vor den Türen auf. Regelmäßig quetschte sich jemand an unserer Sitzgelegenheit, der ebenfalls außen liegenden Wasserstelle und den einzelnen Kochstellen vorbei. Aus den umgebenden Wohnungen drangen Geräusche von Fernsehern, Mobiltelefonen und Kindern. Alle paar Minuten konnten wir das Dröhnen eines Flugzeugs über uns hören und spüren. Es roch vorzüglich und schmeckte noch viel besser. Wir hatten versucht, uns bei der Zubereitung der Speisen irgendwie einzubringen, doch außer dem Schneiden einer Chilischote, dem Schälen von drei Knoblauchknollen (ja, Knollen und keine Zehen) und dem Waschen von zwei Tellern und einer Schüssel durften wir keine Hand anlegen. Immer, wenn wir aufgestanden waren, um zu helfen, wurden wir ruhiggestellt, indem uns etwas zu essen angeboten wurde. 

Das war einer der Momente, die wir uns erhofft hatten. Uns wurde ein kurzer Einblick in das alltägliche Leben einer „normalen“ indonesischen Familie gewährt, die auf Bali wohnte und arbeitete. Wir fühlten uns fremd, aber herzlich willkommen. Wir genossen diesen Abend sehr.

Was war geschehen und wie waren wir überhaupt dort hin gekommen?

Fangen wir von vorne an. Unsere Ankunft auf Bali gestaltete sich als kleines Abenteuer. Wir hatten etwa eine Woche vor der beabsichtigten Ankunft im Internet unser Ticket für eine Bus- und Fährfahrt erworben. Natürlich machten wir uns schon ein paar Gedanken, als wir dieses Ticket an einer Supermarktkasse bezahlten. Die meisten Supermärkte, die wir in Indonesien besucht haben, verfügen übrigens über ein reichhaltiges Angebot an (ausschließlich) ungesunden „Lebensmitteln“, wie z.B. Chips, Kekse und Schokolade, ein paar Drogerieartikel und Bleistifte in der Stärke 2B (Antonia suchte verzweifelt einen HB Bleistift). Einige bieten darüber hinaus eine Toilette, einen Geldautomaten oder eben die Möglichkeit, diverse Sachen, die man online bestellt hat, an der Kasse zu bezahlen. Insofern vertrauten wir darauf, dass schon alles irgendwie funktionieren würde, und kamen am Morgen des 26.6. am Hafen von Banyuwangi an. Unter Einbindung unseres Fahrers, eines Sicherheitsmitarbeiters der Hafengesellschaft, eines Mitarbeiters des örtlichen „Tourismusbüros“ und des Bruders des Sicherheitsmitarbeiters der Hafengesellschaft fanden wir schließlich irgendwann heraus, dass der von uns gebuchte Bus uns nicht mitnehmen konnte, wir aber die Möglichkeit hätten, den nächsten Bus zu nehmen, der drei Stunden später als der originär gebuchte Bus fahren sollte. Alternativ könnten wir gerne die Tickets stornieren und würden selbstverständlich (ja, klar, haha) das Geld erstattet bekommen. Der Mitarbeiter des örtlichen „Tourismusbüros“ bot uns für diesen Fall an, eine Fahrt nach Denpasar zu organisieren, die auch gleich mit der nächsten Fähre starten könne – das war etwa vier Stunden vor der ursprünglich geplanten Busfahrt. Da wir ziemlich übermüdet waren und Antonia an der Kasse der Fähre glücklicherweise noch ein deutsches Paar angesprochen hatte, die ebenfalls nach Bali übersetzen wollten und noch keinen Transport organisiert hatten, wägten wir den Vorteil einer hoffentlich sicheren und sogar früheren Ankunft gegenüber dem verloren gegangenen Vertrauen in das Busunternehmen ab. Nach nur sehr kurzer Überlegung verständigten wir uns mit dem soeben kennengelernten Paar darauf, die Transportkosten zu teilen und die Fahrt zusammen anzutreten. Für Carsten war in diesem Moment klar, dass die Kosten für das ursprüngliche Ticket schon abgeschrieben werden konnten. Antonia vertraute noch darauf, dass wir irgendwie an die telefonisch sehr freundlich versprochene Rückerstattung kommen würden. Tatsächlich gab sich auch der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes noch vor Ort alle Mühe, für uns an das Geld zu kommen, blieb aber leider erfolglos. Und überraschenderweise erhielten wir zwei Tage später auch noch eine Mitteilung über whatsapp, dass uns das Geld im Hostel vorbeigebracht werden würde. Unerklärlicherweise – jedoch nicht völlig überraschend – tauchte der angekündigte Geldbote jedoch nie auf.

Aber zurück zum Anfang. Wir bezahlten also den Mitarbeiter des örtlichen „Tourismusbüros“ für den Transport. Daraufhin stellte sich der stets anwesende, sich jedoch im Hintergrund haltende Bruder des Sicherheitsmitarbeiters prompt als unser Fahrer vor. Am Ende kamen wir nach gut drei Stunden „Verhandeln“ mit dem Busunternehmen und etwa sechs Stunden Fahrt tatsächlich in Denpasar an. Die für dieses Ereignis gestartete Instagram-Umfrage, die ein Ergebnis von 95% für das Ankommen ergab, hatte also glücklicherweise Recht behalten.

Neue Insel, neues Bier

Denpasar 

In Denpasar, wo wir für die ersten Nächte eine Unterkunft gebucht hatten, stießen wir auf eine neue Welt. Wir hatten schon gehört und gelesen, dass die einzelnen Inseln Indonesiens zum Teil sehr unterschiedlich sein sollen und jede – insbesondere Bali – ihre individuellen Besonderheiten aufweist. Wir hofften, auf Bali endlich in der Masse anderer Touristen untertauchen zu können, um nicht weiter hervorzustechen. Wir waren deshalb schon ein wenig verwundert, dass wir anfangs weiterhin die Ausnahme darstellten. Zwar waren die Kopftücher um uns verschwunden und es war kein Beten der Muezzins mehr wahrnehmbar. Aber nun dominierte um uns herum bei Männern und Frauen der hinduistische Kleidungsstil und überall fanden sich kleine Opferschalen aus Bambus. Wir stellten dementsprechend fest, dass europäische, amerikanische und australische Touristen trotz des Wegfalls der Coronabeschränkungen offensichtlich noch nicht in Scharen bis ins Zentrum von Denpasar vorgedrungen waren.

Unter den interessierten Blicken der Einheimischen genießen wir einen Abend bei Livemusik und Kniffel

Wir stellten allerdings ebenfalls fest, dass es hier ein besonders gutes Gado-Gado gab, auch wenn die Umgebung, in der wir gegessen haben, ziemlich übel roch (für uns im Ergebnis das beste Gado-Gado, das wir während unseres Aufenthalts probieren durften; bei mehreren späteren Versuchen konnte keines mehr dem hier verzehrten Gado-Gado das Wasser reichen). 

Eine Beschreibung der aktuellen Umgebung
Das Gado-Gado hat uns dann aber wirklich hervorragend geschmeckt, auch wenn es aussieht wie…

Auf der Suche nach uns optisch ähnelnden Touristen versuchten wir unser „Glück“ als nächstes an einem östlichen Strand. Auch hier wurden wir diesbezüglich eher „enttäuscht“. Nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal merkten wir bei dem Besuch deutlich, wie stark die Insel unter den pandemiebedingten Einschränkungen gelitten hatte. Der Strand war alles andere als sauber und überall erblickten wir die heruntergekommenen Überreste von Gebäuden und Infrastrukturen, die alle eine bessere Vergangenheit gesehen hatten.

Die Umgebung am Strand wirkt eher etwas trostlos

Allerdings lernten wir hier sehr authentisch kennen, welche besondere Bedeutung das Steigenlassen eines Drachens für die Bewohner von Bali hat. Einmal augenfällig geworden, wurden diese zu einem prägenden Bestandteil des balinesischen Himmels und waren – selbst in der Nacht – nicht mehr hinfort zu denken. 

Beim Blick in den Himmel von Bali sieht man fast immer Drachen. Meist kann man diese auch hören.

Da wir wegen der Verlängerung unserer Visa längere Zeit in der Gegend südlich von Denpasar bleiben mussten, wollten wir nicht auf eine flexible Fortbewegungsmöglichkeit verzichten. Zwar ist das Taxifahren im Vergleich zu Deutschland sehr günstig und noch günstiger wird es, wenn man auf die zahllosen Motorrollermitfahrgelegenheiten ausweicht. Allerdings wollten wir – gerade auch mit Gepäck – nicht immer auf andere angewiesen sein und nicht für jede Strecke überlegen, planen und im Zweifel den Preis verhandeln müssen, so dass wir uns jeder einen Roller mieteten. Natürlich ließen wir es uns weiterhin nicht nehmen, die ein oder andere Strecke zu Fuß zurückzulegen, wofür wir häufiger die schon aus Ägypten bekannten verwunderten Blicke kassierten und noch häufiger wegen eines potentiellen Geschäfts eines Transports angehupt oder angesprochen wurden. Gekonnt ignorierten wir die Hupen, neu war aber das verbale Angebot („transport, transport”). Da einem irgendwie jeder etwas verkaufen wollte, war es nicht unüblich, dass wir lächelnd und kopfschüttelnd durch die Gegend liefen und eigentlich jedem, der uns ansprach, bzw. von dem wir Meinung waren, dass er uns ansprach, ein freundliches „no, thank you“ entgegneten. Dies führte zu skurrilen, dennoch im Ergebnis passenden Konversationen, wie: „Hallo, wo kommt ihr her? – no, thank you…“

Antonias erster Versuch. Carsten ist genauso stolz wie besorgt. Am Ende gab es glücklicherweise nur ein kleines und v.a. lediglich temporäres Bali-Tatoo.

Denpasar – Kerobokan

Der Roller ermöglichte es uns, weiterhin in Gegenden zu wohnen, die abseits der touristischen Einfallschneiße gelegen waren. Demnach unterbrachen wir zunächst unsere Suche nach optischen Leidensgenossen. Zudem lernten wir das städtische Bali kennen, das weniger touristisch geprägt ist, d.h. in dem man z.B. unproblematisch an jeder Ecke ein „kleines Warüngchen“ (der von uns genutzte Begriff leitet sich von dem indonesischem Wort „Warung“ ab, dessen Bedeutung im Artikel über Java bereits erläutert wurde) mit indonesischen Spezialitäten finden kann. 

Beim Restaurantbesuch

Mit unseren Rollern konnten wir trotz Aufenthalts in der touristischen Einöde einen von Carsten langgehegten Traum verwirklichen, nämlich einmal in seinem Leben versucht zu haben, auf einem Sufboard zu stehen. Wir buchten einen fünftägigen Kurs und vor allem Carsten hatte eine Riesenfreude. Ihm machte es trotz eines vermutlichen Rippenbruchs und den damit verbundenen höllischen Schmerzen sichtlich Spaß, auf Anfängerniveau mit seinem Riesensoftboard gegen Wasser und Wellen zu kämpfen. Selbst jede Niederlage (und davon gab es wahrlich genug), die zu Aufenthalten in der sogenannten Waschmaschine, weiteren Verletzungen, wie Schnitten und Schrammen und zu erhöhtem Salzwasserkonsum führte, zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht. Carsten „surfte“ nach einem Motto, was er gelesen hatte und was ihm besonders gefiel: Der beste Surfer ist derjenige, der den meisten Spaß hat. 

Es klappt sogar ohne Lehrer

Der Spaß und die Freude wurden leider kurzfristig getrübt. Die Fortbewegung mit dem Roller warf schon vor der ersten Fahrt Fragen nach der Navigation auf. Leider hatte der Roller wie fast alle Roller, die wir sahen, keine Halterung für ein Handy. Wir überlegten uns, eine Halterung zu kaufen, befürchteten aber, keine stabile bekommen zu können, die nicht einfach abgerissen werden konnte. Statt dessen machten wir es wie viele andere Menschen auch. Soweit es möglich war, fuhren wir zu zweit auf einem Roller, wobei der Mitfahrer mit seinem Handy navigierte. Dies sollte sich als Fehler herausstellen. Denn eines Abends wurde Carsten auf dem Weg vom Strand zurück zur Unterkunft sein Handy von einem vorbeifahrenden Roller aus der Hand gerissen. Wir waren uns einer solchen Situation durchaus bewusst und hielten das Handy z.B. an Ampeln fest und eng am Körper oder steckten es in die Tasche. Aber irgendwie waren wir in diesem Moment zu überrascht. Das Handy nur fest umklammert zu halten, reichte nicht. Der Schock saß tief und nach kurzem Kampf war das Handy weg. Das zu diesem Zeitpunkt Schlimmste daran war, dass es etwa 4000 Bilder und Videos (vor allem alle Bilder und Videos des Segeltörns) noch nicht in die cloud geschafft hatten. Ein Transfer auf einen Speicherstick war leider ebenfalls gescheitert, so dass diese Bilder nun für immer verloren waren. Die Stimmung war dementsprechend für die nächsten Tage getrübt und vor allem Carsten fühlte sich ganz und gar nicht gut. Zwar wurden zeitnah Ersatztelefone besorgt, aber die Motivation, für weitere Bilder in der Öffentlichkeit jedes Mal das Telefon in die Hand zu nehmen, ist seitdem merklich geschwunden. Auch das Vertrauen in die nette Bevölkerung Indonesiens war angeknackst. Wir sind gespannt, was uns das Schicksal, Gott oder eine sonstige höhere Macht hier mitteilen und lernen lassen wollte. Die Navigationsmethode änderten wir, indem wir auf Bluetoothkopfhörer umstiegen und damit eben lieber das ein oder andere Mal einen Umweg fuhren, als noch einmal in eine ähnliche Situation zu kommen. Zusätzlich erwarb Carsten eine Art Brusttasche, in die seitdem alle wichtigen Habseligkeiten verstaut werden, wenn wir unterwegs sind. Das Wichtigste war aber letztlich, dass wir an diesem Abend keinen schlimmen Unfall hatten, denn wir waren nicht besonders langsam unterwegs, als die beiden netten Menschen uns beraubten. Möge Karma hier seinen Dienst tun. Und möge irgendwann der Punkt erreicht werden, dass es solche Menschen nicht mehr notwendig haben, aus welchen Gründen auch immer, die Arbeitsgeräte anderer Menschen an sich zu reißen. 

Kuta 

Nach unserem Anfängersurfkurs wechselten wir wieder die Unterkunft und zogen nach Kuta, in die Nähe des Strandes. Wir hatten im Vorfeld gelesen, dass Kuta den „Ballermann der Australier“ darstelle und die wieder aufgenommene Suche nach uns optisch ähnelnden Touristen fand ein erfolgreiches Ende. Wir hatten sie ja eigentlich schon während unseres Surfkurses und bei dem ein oder anderen Strandspaziergang erspäht und nun weilten wir unter ihnen. Gefühlt bei Weitem noch nicht auf dem Niveau von vor 2020, aber immerhin. Erstaunlicherweise kam es dennoch vor, dass wir immer noch um das ein oder andere Foto gebeten wurden.

Die Strandpromenade Kutas mit typischen indonesischen Restaurants…

In Kuta landeten wir in einer Unterkunft, die zum Teil auch längerfristig von Einheimischen genutzt wurde, die ihrer Arbeit – z.B. als Surflehrer – nachgingen. Da wir – anders als übliche Touristen – länger als zwei Tage in der Unterkunft verbrachten, kam man schnell ins Gespräch mit den anderen Bewohnern. So ergab es sich, dass wir uns öfter mit Yoshi unterhielten, der von den Philippinen stammte und hier vorübergehend geschäftlich unterwegs war. Wir hatten mit Yoshi mehrere interessante Unterhaltungen und als eines Tages ein hier lebender Freund von ihm zu Besuch war, kam das gemeinsame Gespräch auf das Thema Essen in Indonesien. Ehe wir uns versahen, war ein Grillabend mit allen locals und Yoshi verabredet. Nun muss man wissen, dass unsere Verabredung indonesischer Art nicht unbedingt einer Verabredung deutscher Art entspricht. Je mehr über den Grillabend, der am nächsten Tag stattfinden sollte, geredet wurde, umso weniger ernst wurde die Planung umgesetzt. Und wir hatten wirklich viel gesprochen. Zuverlässig war zumindest Yoshis Freund, der am frühen Nachmittag von uns mit Geld bedacht wurde und damit zum Hafen fuhr, um frischen Fisch zu besorgen. Wir begleiteten ihn dabei lieber nicht. Es stand zu befürchten, dass der Preis für Fisch und Meeresfrüchte extrem in die Höhe klettern würde, sobald man uns mit dem Käufer in Verbindung brachte. Wie verabredet, wurde alles auch gegen 16 Uhr geliefert, wo die gemeinsamen Vorbereitungen beginnen sollten. Hier zeigte sich dann die Stärke der Planung des Vortags. Carsten saß mit einer Tüte Meeresgetier in einer Menge, um eine Fußballmannschaft zu verpflegen, vor der Unterkunft. Anwesende weitere Personen: null, Zutaten für die Zubereitung: null, Utensilien für die Zubereitung: nicht vorhanden, Grill: fraglich, ob und in welcher Größe vorhanden oder organisierbar. Nachdem eine gute halbe Stunde vergangen war und die Ameisen schon begannen, ihre Zuneigung für frischen Fisch zu zeigen, meldete sich Yoshi, um zu sagen, dass er erst später dazu stoßen könne (man wollte ja schließlich gemütlich am Strand grillen, nachdem man alles in der Unterkunft vorbereitet hatte). Carsten teilte Yoshi daraufhin den aktuellen Stand der Planungsumsetzung mit und Yoshi verstand sehr zügig, dass man sich hier projektmäßig auf dem Niveau eines Berliner Flughafens, einer zweiten Münchner Stammstrecke oder eines Hamburger Konzerthauses befand. Er erklärte sich unverzüglich bereit, mit seinem Freund vorbei zu kommen. Als beide da waren, wurden kurzerhand alle Pläne über Bord geworfen. Yoshis Freund bot völlig überraschend an, das Essen bei sich zuzubereiten und machte sich gleich auf den Weg. Es wäre auch überhaupt kein Problem, wenn wir mitkommen würden, um bei ihm zu essen. Dieses Angebot nahmen wir dankend an. Wohl wissend, dass man nicht ansatzweise eine Chance haben würde, einem Indonesier auf seinem Roller zu folgen, bat Carsten lieber um die Übersendung der Adresse. Mit etwas Verzögerung machten wir uns auf den Weg und mussten nach unserer Ankunft feststellen, dass Yoshis Freund bereits seine Familie eingebunden und fast alle Vorbereitungen getroffen hatte. Yoshi selbst machte sich an die Zubereitung einer Suppe und für uns war nichts weiter zu tun als uns sehr herzlich – wie in den ersten Absätzen beschrieben – empfangen zu lassen. Ein Traum. Wir waren überwältigt von dieser Gastfreundschaft, von der wir bereits so viel gelesen hatten. Und das Essen schmeckte einfach so hervorragend, dass wir uns noch lange und gerne an diesen Abend erinnern werden. 

Eine unserer Lieblingsbeschäftigungen am Abend. Wie man sieht, waren wir nicht allein.

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