Indonesien, Bali 13.07. – 31.07.2022
Die Verlängerung unserer Visa dauerte tatsächlich die veranschlagten zwei Wochen, so dass wir uns weiter im Süden von Bali aufhielten, um kurzfristig unsere Pässe abholen zu können.
Uluwatu
Zunächst ließen wir Neuprofis der Surfkunst es uns nicht nehmen, das Surfermekka rund um Uluwatu zu begutachten. Wir mieteten uns für ein paar Tage in der Gegend ein und unser geschultes Auge erkannte auf den ersten Blick, dass wir den dortigen Wellen und Gegebenheiten nicht ansatzweise gewachsen wären.
Also ließen wir das neue Flair einfach auf uns wirken. Kaum Einheimische, dafür viele Dudes. Viel weniger Warüngchen, dafür Bäckereien, Eisdielen und viele trendige Cafés. Außerdem einsame Strände und schöne (aber definitiv nicht zu unserem Budget passende) Unterkünfte in traumhafter und ruhiger Lage.


Unsere Highlights waren:
- Ein selbst zusammengestelltes Abendessen mit Sauerteigbrot, dazu Tomaten, Gurken, Avocado und Hummus sowie indonesischer Rotwein (stilecht aus dem Papppecher)

- Ein ausgiebiger (leckerer und für indonesische Verhältnisse ziemlich teurer) Brunch zum Hochzeitstag



- Im Gegensatz zu Kuta konnten wir den Sonnenuntergang fast allein an einem Strand genießen


- Wir verbrachten einen Nachmittag an einem einsamen Strand










- Bei dem Besuch eines malerisch gelegenen Tempels konnten wir zusehen, wie richtig gemeine Affen Jagd auf bewegliche Gegenstände der Besucher machten. Nachdem Opfer und Beute ausgeguckt waren, erfolgte der Überfall blitzartig. Die Räuber machten sich aber nicht aus dem Staub, sondern zogen sich lediglich an einen für das weitere Prozedere strategisch klugen Ort zurück. Sobald sich nämlich eine Attacke ereignet hatte, näherte sich ein „freiberuflicher Tempelangestellter“ dem Affen und warf ihm so lange in Plastikbeutel eingepackte Obststücke zu, bis dieser sich zwischen Beute und Essen entscheiden musste. In der Regel ließ er das Beutestück fallen und machte sich mit dem Obst davon. Der Besitzer nahm den Gegenstand wieder in Empfang und überreichte im Gegenzug ein kleines Trinkgeld. Eine klassische win-win-win-Situation, oder nicht?




- die mit der geringeren Bevölkerungsdichte korrelierende geringere Anzahl an Rollern
Canggu
Trotz der wunderbaren Ruhe und der schönen, naturnahen Gegend in Uluwatu zogen wir noch einmal an einen belebten Strand. Wir wollten einen weiteren Strandabschnitt kennenlernen und noch ein wenig surfen. Canggu war für uns eine Mischung aus Kuta und Uluwatu. Zu dem Lärm und dem belebten (= übervollen) Strand aus Kuta kamen die „westlich“ geprägten Läden und Touristen aus Uluwatu. Die Wellen waren für uns etwas schwieriger als in Kuta und wir haben gut was weggepaddelt. Surfen war jetzt tatsächlich ein richtiger und anstrengender Sport geworden, bei dem der Spaß (zumindest für Carsten) trotzdem nicht zu kurz kam.



Unsere Highlights waren
- Eine Strandparty ganz wie früher (also vor COVID). Besonders hat uns das „mobile Tatoostudio“ gefallen, das die alkoholbedingte Entscheidungsfreude des ein oder anderen Gastes hemmungslos ausnutzte;
- Der Besuch eines wunderbares Cafés, in dem wir gleich zwei Mal frühstücken waren, weil es uns so gut gefallen hat (ja, wir haben uns hier ausnahmsweise den westlichen Einflüssen nicht entzogen – im Gegensatz zum Essen, wo wir fast ausschließlich lokale Angebote wahr nahmen, konnten wir uns während des gesamten Aufenthaltes in Indonesien den ein oder anderen Cappuccino nicht verkneifen);
- Wir verbrachten einen Abend in einer Bar mit hauseigener craftbeer-Brauerei, die ein wirklich hervorragendes IPA produziert hat (glücklicherweise war das Bier relativ teuer, was einen Kater am nächsten Tag verhinderte)

Ubud
Nach der erfolgreichen Visaverlängerung verließen wir die Hauptstadt Balis Richtung Ubud. Ubud stellte sich als wahrer Touristenmagnet heraus. Von der Authentizität, von der wir im Vorfeld viel gelesen hatten, spürten wir – zumindest im Zentrum der Stadt – relativ wenig. Ähnlich wie Canggu, nur ohne Strand und die westlichen Läden waren noch gedrängter. Wenigstens in unserer liebevoll gestalteten Unterkunft fühlten wir uns indonesisch aufgenommen. Ansonsten machten wir dort das, was alle Touristen machen, diesmal jedoch ohne Sonnenauf- oder -untergang und ohne Guide, sondern auf eigene Faust in eigenem Tempo. Wir legten einen Reisterassentag, einen Wasserfalltag und einen Tempeltag ein und konnten demnach sowohl die sogenannten Sehenswürdigkeiten und „Geheimtips“ vor Ort als auch die dorthin geführten Instagram- und TikTok-Touren beobachten (was wir mindestens genauso spannend fanden).
Der Reisterassentag
So lernten wir, dass es an den Reisterassen unheimlich wichtig ist, sich laut jauchzend auf einer der zahllosen Schaukeln filmen zu lassen, während man ein langes Gewand tragen muss. Ganz entscheidend ist dann die Suche nach einem Spot, der ein Bild ermöglicht, ohne dass andere Menschen darauf zu sehen sind. Je größer das Areal ist, desto einfacher wird diese Suche (siehe dazu weiter unten).





Der Wasserfalltag
An den Wasserfällen muss man sich wiederum unbedingt so ablichten lassen, dass der Eindruck vermittelt wird, man wäre allein dort – bestenfalls ist man dabei möglichst wenig bekleidet. Was man auf den ganzen Fotos im Übrigen nicht sieht, ist die unheimliche Lautstärke, die von einem Wasserfall ausgehen kann. Diese kann nur dadurch getoppt werden, dass ein Café, ein Restaurant oder sonst ein Vergnügungsetablissement mit noch lauterer Musikbeschallung dagegen ankämpft.




Der Tempeltag
Wie auf ganz Bali wimmelt es nur so von hinduistischen Tempeln in Ubud. Auch viele private Häuser mit ihren Gartenanlagen sind von den Bewohnern entsprechend gestaltet und geschmückt, so dass wir als Laien oft zwei Mal hinsehen mussten, um feststellen zu können, ob es sich um einen Tempel oder ein privates Wohnhaus handelt.




In einem besonderen Tempel in Ubud, dem „Monkey Forrest“, kann man lernen, wie man sich definitiv nicht gegenüber Affen verhalten sollte. Hier arbeiten täglich Menschen mit den Affen und „trainieren“ ihnen einen friedlichen Umgang mit den vielen Besuchern an. Die Affen werden durch das Verhalten der Tempelangestellten quasi abgerichtet (mit diesem Begriff gehen viele Grüße nach Wolnzach), so dass sie sich oft ohne Ärger von den unvorsichtigen Besuchern fotografieren und filmen ließen und sogar für Fotos auf deren Schultern kletterten, während sie von einem Angestellten durch Futtergabe ruhig gestellt wurden. Wer hier in die „Affenschule“ geht, wird leider nicht auf die Realität vorbereitet und mit hoher Wahrscheinlichkeit böse Überraschungen beim Aufeinandertreffen mit „echten“ Affen in freier Wildbahn erleben (nach unseren Erfahrungen in Südafrika und Tansania fühlen wir uns inzwischen ganz gut gewappnet; sobald wir in die Nähe von Affen kommen, werden Lebensmittel und bewegliche Gegenstände, wie z.B. Handy, Mütze, Brille weggepackt sowie – falls verfügbar – Steine und Stöcke gesammelt).


Daneben tranken wir den berühmten Kopi Luwak und besuchten eine balinesische Tanzaufführung.




Sobald man sich etwas abseits der Touristenpfade bewegte, wurde es authentischer. Etwa zwei Kilometer nördlich der Reisterassenschaukeln fuhren wir durch typische Dörfer und aßen in einem kleinen Warüngchen am Straßenrand den besten frittierten Wels in ganz Indonesien. Als wir uns anschließend einem bekannten Berg näherten, wurden wir gleich von der örtlichen „Bergführermafia“ bedrängt. Laut in ihre Trillerpfeiffen blasend, versuchten sie, uns auf unserem Roller zu stoppen. Wir fühlten uns plötzlich sehr unwohl, gaben Gas und suchten das Heil in der Flucht. Aufgrund dieser Erfahrung und der anschließenden Googlesuche verzichteten wir darauf, die Gegend um den Berg und den Berg selbst zu erkunden. Die Zeit für Wanderungen würde auf unserer Reise ja noch kommen und das unbeständige balinesische Wetter lud uns ohnehin nicht wirklich zum Wandern ein. An diesem Tag hatten wir wettertechnisch beispielsweise das ganze Programm von Hitze und Schwüle bis hin zu Kälte und Regen.


Als Fazit können wir den Hype vor allem um Reisterassen und Wasserfälle nicht ganz nachvollziehen. In der Regel konnten wir folgendes beobachten: Entweder bezahlt man zu viel Geld für einen Guide bzw. Fahrer, der einen zu den aus seiner Sicht richtigen Reisterassen bringt. Wir haben mit drei Fahrern gesprochen und alle drei wollten uns zu unterschiedlichen Reisterassen bringen, die man unbedingt gesehen haben muss. Für Wasserfälle, bzgl. derer wir uns nach einer google-Suche und der Entscheidung für den absoluten Geheimtip (haha) gar nicht weiter informiert haben, dürfte ähnliches gelten. Fährt man hingegen selbst und nähert sich auch nur der Gegend um derartige Naturschauspiele, wird man allseits bedrängt, den nur hier verfügbaren, einzigen und richtigen, zufälligerweise oft kostenpflichtigen Parkplatz zu nehmen. Schafft man es mit viel Glück zu einem wirklich richtigen Parkplatz, der nahe der Sehenswürdigkeit liegt und auch nichts kostet, besteht die nächste Aufgabe darin, den richtigen Eingang zu finden. Schon vor dem richtigen Eingang erwartet den Besucher ein fast undurchdringlicher Dschungel an Verkaufsständen und man mag sich gar nicht ausmalen, wie es aussieht, wenn man den Fehler begeht und der Richtung folgt, in die ein Einheimischer zeigt, während er den Namen der entsprechenden Sehenswürdigkeit murmelt… Aber hey, der Schal, das T-Shirt und ein Restaurantbesuch sind doch auch ganz schön. Viele „no, thank you“-s (inzwischen auch auf indonesich – „tidak, terima kasih“) später, erreicht man völlig erschöpft den Eingang und darf sich nach Bezahlen des Eintrittsgeldes nicht selten der vielen Personen erwehren, die sich mal mehr, mal weniger ausdauernd als Guide für die Sehenswürdigkeit anbieten („tidak, terima kasih“). Dieses Schicksal trifft den Touristen auch, wenn man einen Fahrer gebucht hat, der einen nur vor dem Eingang aussteigen lässt. Ist das Areal der Sehenswürdigkeit groß genug, empfehlen wir in solchen Fällen, schnell die Flucht nach vorne anzutreten. Dies hat auch folgenden Vorteil: Schon nach wenigen hundert Metern haben 90 Prozent der Besucher keine Lust mehr, auf die von der Evolution zugedachten Fortbewegungsmittel zurückzugreifen, so dass man etwas mehr Ruhe hat. Hinzu kommt, dass man in Bezug auf viele Sehenswürdigkeiten nur noch mit werbewirksamen Bildern überhäuft wird. Drohnenvideos, Shootings unter Ausschluss der Öffentlichkeit und Bildnachbearbeitungen vermitteln Eindrücke, die man in der Realität schlicht nicht bekommen kann. Heerscharen von Touristen 4.0 versammeln sich trotzdem vor Ort, um in aufwendigen Aktionen eben solche unrealistischen Eindrücke festhalten zu können. Nur um dann der eigentlich gar nicht interessierten Welt per social media die Kopie eines falschen Eindrucks vermitteln zu wollen. Selbstverständlich können Reisterassen und Wasserfälle fotogen sein. Man darf aber nicht vergessen, dass die Schweißdrüsen vieler Menschen nach zehn Minuten Fußmarsch in praller Sonne und bei schwüler Hitze anfangen, in Hochtouren zu arbeiten. Dieses Gefühl, was sich auf Bildern (auch per Drohne) nicht wirklich vermitteln lässt, sorgt häufig dafür, dass viele die Umgebung gar nicht genießen können und den ach so schönen Ort schnellst möglich wieder verlassen wollen.
Wir haben nach unseren Reisterassen- und Wasserfalltagen auf einer ziellosen Fahrt von einem Ort zum anderen jedenfalls einfach mal nach links und rechts gesehen und festgestellt, dass Indonesien hier genauso toll aussieht. Und wenn wir eine Drohne dabei gehabt hätten, hätten wir sicherlich auch ein wunderschönes Video davon drehen können 😉





Amed
Wir waren nicht allzu traurig, als wir uns weiter auf den Weg Richung Ostküste nach Amed machten. In Amed landeten wir in einem Homestay-Bungalow in traumhafter Lage. Hoch oben am Hang gelegen bot es einen fantastischen Blick über die Bucht und das Meer.



Auch in Amed war augenfällig, dass die Pandemie deutliche Spuren hinterlassen hatte. Viele Unterkünfte, Restaurants und Tauchschulen waren noch verlassen und in einem entsprechenden ungepflegten Zustand.



Nichtsdestotrotz suchten wir uns eine Tauchschule und wollten die nächsten Tage endlich die Unterwasserwelt Balis erkunden. Erkältungs- oder COVID-bedingt (wer weiß das heutzutage schon…) musste Carsten allerdings schon nach einem Tag die Segel streichen. Antonia schaffte immerhin zwei Tage, bevor auch sie krankheitsbedingt aufgeben musste. Die wenigen Tauchgänge waren trotzdem sehr beeindruckend mit vielen neuen Pflanzen und Tieren.
Leicht bis mittelstark angeschlagen verbrachten wir wieder einmal viel Zeit im Bett und mussten uns mit der Erkundung der Netflix- und Überwasserwelt zufrieden geben. Die Überwasserwelt vermochte uns zu überzeugen.












Extrem positiv vermerken wir auch, dass wir noch nie so gute Mangos gegessen haben wie hier.
Nach einer Woche verließen wir dieses schöne Fleckchen Erde und brachten das Abenteuer Bali zu einem Abschluss. Wir waren etwas traurig, da wir gerne häufiger tauchen gegangen wären, freuten uns aber auch auf das, was noch bevorstand.