Abschied auf Raten

Indonesien, Lombok und Gili Trawangan 31.07.-11.08.2022

Nach über einem Monat auf Bali machten wir uns auf Richtung Osten, um noch mehr von Indonesien zu bereisen. Wir waren im Stadium des „Inselhopping“ angekommen, auch wenn wir es auf Grund der wenig verbliebenen Zeit in dieser Disziplin nicht zur Meisterschaft bringen würden. Von Amed aus ging es mit dem Schnellboot an die nordwestliche Küste von Lombok, der nächst größeren Insel neben Bali. Obwohl kleiner als Bali, hat die Insel immer noch eine stattliche Größe und durch die im Landesinneren gelegenen, bergigen Regionen sind überwiegend die Küstengebiete gut erschlossen. Es schien demnach ratsam vorher zu überlegen, wo wir genau hinwollten. Die Insel hat viele Aktivitäten und Attraktionen zu bieten, wie Reisfelder und Wasserfälle (das hatten wir schon mal, oder?), Tauchen (kommt uns auch bekannt vor), weiße Strände, rosa Strand und die obligatorische Sonnenaufgangstour auf den Mt. Soundso (das war das, was wir definitiv nicht noch einmal machen wollten, oder?). Viel Bekanntes also. Carstens Wunsch war es, seiner neu entdeckten Leidenschaft, dem Surfen, nochmal in aller Ruhe nachgehen zu können. Daher entschieden wir uns für den Süden der Insel.

Ein Hotel war im Vorfeld schnell gebucht, zu welchem wir nach unserer Ankunft am Hafen von Lombok auch gerne wollten. Am Pier erwartete uns das typische Gewühle und Gedränge aus Gepäck, Passagieren und lokalen Privatunternehmern aller Art. Ehe wir uns versahen, hatte ein mehr als zuvorkommender Helfer kurzerhand unseren Rucksack geschultert und sich Richtung Ausgang aufgemacht. Wir mussten zusehen, dem Mann mit unserem restlichen Gepäck hinterher zu kommen, und landeten letztendlich – wie so häufig – bei einem Restaurant vor dem Hafen. Wir wurden aufgefordert, uns doch zu setzen und etwas zu trinken. Beides wollten wir nicht. Wie zu erwarten, wollte sich der gute Samariter seine ungefragten Trägerdienste bezahlen lassen. Antonia war den aufdringlichen und ungefragten Dienstleistungen uns Touristen gegenüber mittlerweile mehr als überdrüssig und tat dies auch lautstark kund. Carsten dagegen blieb ruhig, gab dem betrübten Mann ein Trinkgeld und befriedete die Situation inklusive seiner zeternden Ehefrau. Wir nahmen unser Gepäck wieder vollständig an uns. Unter dem Haufen bemerkten wir plötzlich einen herrenlosen schwarzen Rucksack. Der Träger deutete an, dass das doch wohl unser Rucksack sei, vermutlich in der Hoffnung auf weiteres Trinkgeld. Wir verneinten aber guten Gewissens und waren nun ein wenig besser gelaut, da wir zumindest dem Entführer unseres Gepäcks nicht aus den Augen verloren hatten. Der Besitzer des schwarzen Rucksackes schien seinen Weg hingegen nicht in unser Restaurant gefunden zu haben. Vermutlich saß er im Warung drei Häuser weiter, verhandelte irgendeinen Preis und trauerte seinem Gepäck hinterher. Arme Wurst.

Auf dem Weg zum Restaurant hatte sich zeitgleich zur Rucksackjagd ein – ebenfalls unausweichliches – Gespräch zwischen Antonia und einem lokalen Transportunternehmer entsponnen, welches in harte Verhandlungen über den Transport und Preis mündete. Nach viel hin und her, Palaver und „zu versorgenden Familien“ auf beiden Seiten kam es zu einer Einigung und wir saßen endlich im Taxi Richtung Süden. Der Fahrer nahm die Küstenstraße, entlang derer sich zufällig auch mehrere Aussichtspunkte, ein Markt und ein traditionelles Dorf befanden. Seine Angebote, anzuhalten, lehnten wir stoisch ab und er musste weiterfahren. Auf der Fahrt jammerte er ununterbrochen, wie lang der Weg sei. Aber klar, die von ihm gepriesenen und von uns verschmähten Sehenswürdigkeiten lagen irgendwie nicht auf dem direkten Weg zur Unterkunft. Am Ende der Fahrt blieb deshalb sogar Carsten standhaft und verweigerte den recht aufdringlichen Wunsch des Fahrers nach einem Trinkgeld. Auch arme Wurst.

Typisches Straßenbild in der Hauptstadt Lomboks

Der Blick aus dem Fenster zeigte uns seit langem wieder eine andere Landschaft: Hinter dem blauen Meer und weißen Strand erhoben sich zügig mit Palmen und Wald bewachsene Hügel, Felsen und Berge, alles schien wesentlich trockener und nicht mehr ganz so immergrün wie auf Bali. Zudem fehlten die hinduistischen Tempel und Opferstellen. An ihre Stelle waren Moscheen getreten und die Frauen auf den Rollern neben uns trugen wieder ein Kopftuch. Nach etwas über zwei Stunden Fahrt erreichten wir unser Domizil und waren mehr als glücklich. Das kleine Hotel war liebevoll gestaltet und wir fühlten uns auf Anhieb wohl.

Der Surf-Strand war eine weitere positive Überraschung, entpuppte er sich doch als wunderschöne, langgezogene Bucht mit feinem, weißem Sand und blauem Wasser. Bis auf den Anfangsteil, in welchem sich wie üblich kleine Buden, Strandliegen und Surfboard-Verleihe aneinander reihten, lag er einsam da und lud zu ausgedehnten Strandspaziergängen ein. In Kombination mit dem Blick auf die umliegenden Hügel und Buchten würde es dieser Fleck Erde in jede Urlaubsanzeige schaffen. Und vermutlich hatte er das auch, da sich in den Hügeln oberhalb des Strandes mehrere Resorts mit für uns utopisch teuren Luxusvillen nebst ihrer europäischen/amerikanischen/australischen Bewohner fanden.

Und nochmal, weil‘s so schön war

Die nächsten Tage verbrachten wir überwiegend am Strand, Antonia mit Sonnenbaden und Spazierengehen, Carsten auf dem Surfboard bzw. im und unter Wasser. Carsten alias „Tom“ hatte schnell Bekanntschaft mit einer Gruppe junger Einheimischer geschlossen, die einen der Warungs betrieben, und wir waren gern gesehene Gäste. „Tom“ war Carstens neuer Künstlername. Der deutsche Name „Carsten“ stellte für die meisten Indonesier eine erhebliche Herausforderung dar, was Aussprache und Erinnerungsvermögen betraf. Und wer würde nicht gerne mal „Tom“ heißen. Eines Abends wurden wir von eben jenen Männern zu einem Lagerfeuer am Strand eingeladen, dem wir uns gerne anschlossen. Aus einem mobilen Lautsprecher erklangen bald abwechselnd englischsprachige Pop-Hits und typische indonesische Musik, während wir mit einem Bier in der Hand den Sonnenuntergang beobachteten. Es dauerte nicht lange, da wurden die Liegen um das Lagerfeuer bei Seite geschoben und die Tanzfläche im Sand eröffnet. Im Laufe des Abends kam einer der Männer mit einem Mikrofon an und erklärte, ab jetzt würde Karaoke gesungen. Zu unserer Gruppe hatten sich mittlerweile noch einige andere Strandbesucher gesellt und das Mikrofon wurde reihum weitergegeben. Einige richtige und viele schiefe Töne schallten jetzt über den Strand, taten der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Auch wir überwanden unsere anfängliche Hemmung und gaben uns die Ehre. Der Dieter wäre sicher stolz auf uns gewesen und wir mindestens im Recall. Sobald das Feuer drohte auszugehen, wurde „Feuerholz“ nachgelegt. Das dabei verwendete Holz hatte wenig mit unserem Feuerholz gemeinsam, sondern schien eher von der Wandverkleidung der Bretterbude hinter uns zu stammen. Wir befürchteten schon, die jungen Männer würden ihren eigenen Warung verfeuern. Zu fortgeschrittener Stunde wurde sogar eine „alte“ Strandliege in die Flammen geschoben, die sich unserer Ansicht nach nicht von den noch am Strand befindlichen unterschied. Aber wir gehen mal davon aus, dass sie wussten, was sie taten. Als wir die Party gegen Mitternacht verließen, stand der Warung zumindest noch und war auch am nächsten Tag unversehrt.

Als wunderbarer Abend mit den Füßen im Sand, den Sternen über uns und der puren Freude am Leben bleibt er uns besonders in Erinnerung.

Bilder gibt es von diesem Abend leider und Videos Gott sei Dank nicht.

Wenn wir nicht gerade wild im Sand zu indonesischer Volksmusik tanzten und dabei deutsche Schlager zum Besten gaben, verbrachten wir die Abende meist in einem Strandrestaurant, welches zu einer der großen Villen-Anlagen gehörte. Bei ein bis drei kleinen „großen Bintängchen“ (600ml Bintang-Bier) genossen wir ein halbes Duzend Sonnenuntergänge und führten lange Gespräche über uns, das Leben und die Reise. Seit knapp einem halben Jahr waren wir unterwegs und hatten in der Zeit so viele Orte, Menschen, Kulturen kennengelernt und so viel erlebt, dass uns manchmal ganz schwindelig wurde. Wir liebten es, auf Reisen zu sein, die Welt zu entdecken, Neues zu sehen und auszuprobieren. Gleichzeitig wurde uns bewusst, was uns zu fehlen begann: unsere Familien und Freunde, ein fest verwurzeltes Sozialleben und das Gefühl von Heimat.

Zeitrafferaufnahmen – Carstens neue Lieblingsdisziplin im Kurs „Instagram für Dinosaurier“

Und noch eines fühlten wir beide gleichermaßen: Den Wunsch nach mehr. Was genau meinten wir damit? Wir waren seit fast 60 Tagen in Indonesien und hatten die meiste Zeit auf Bali verbracht. Die Insel wird nicht umsonst als Urlaubsparadies beschrieben und hat auch wirklich alles zu bieten, was man sich für seinen Traumurlaub wünscht. Wir waren aber nun einmal keine Urlauber, sondern Reisende. Uns ging es nicht um Erholung, dafür hatten wir beide das Innere eines Arbeitszimmers schon zu lange nicht mehr gesehen. Wir wollten erleben, erfahren, eintauchen, erkunden. Die Einheimischen, ihr tägliches Leben, Gedanken und Lebensweise kennen lernen und ein Verständnis für das Land entwickeln. Nach unserer Einschätzung war uns das in Indonesien nicht oder nur sehr selten gelungen. Wir konnten unseren großen Abstand zur vorherrschenden Religion und Kultur nicht wirklich verkleinern und kratzten demnach weitgehend an der Oberfläche. Hierbei spielte sicherlich eine Rolle,

  • dass wir unglaublich viele Leute trafen, die selbst nicht aus Bali stammten und nur zum Broterwerb auf die Insel gekommen waren,
  • dass die bestehende Sprachbarierre oftmals einen tiefergehenden Austausch verhinderte und
  • dass viele Touristen den Eindruck vermittelten, gar nicht tiefer in ein authentisches Bali einsteigen zu wollen.

Wir hatten eine schöne Zeit auf Bali gehabt, aber bei keinem von uns war bislang ein tief gehender Eindruck entstanden. Kurz gesagt – wir wollten mehr. Wir wussten beide noch nicht, wie genauso dieses „Mehr“ aussehen würde, vertrauten aber darauf, dass wir es bei Zeiten schon rausfinden würden. Im Rahmen der Visaverlängerung hatten wir einen Flug nach Bangkok gebucht, da dies einer der günstigsten Flüge gewesen war und Bangkok als Drehzentrum Asiens viele Möglichkeiten bot (hierzu aber mehr im nächsten Beitrag). Wir hatten so zumindest einen Startpunkt für unsere Überlegungen.

Wie um uns eines Besseren zu belehren, hatten wir in den letzten Tagen auf Lombok doch noch eine interessante Bekanntschaft mit einem jungen Indonesier, der in unserem Hotel arbeitete und wohnte. Da er verhältnismäßig sehr gut Englisch sprach, war mit ihm ein wirklicher Austausch möglich. Wir führten ausgiebige und interessante Gespräche über das Leben in Indonesien, den Verkehr, das Essen („if it’s no rice, it’s not a meal, we would call it a snack“), das Müllproblem, Tourismus, COVID, Politik und Umweltschutz. Ein wildes Potpourri aus allem, worauf man so kommen kann. Er hatte eine sehr intelligent-ironische Art, die Eigenheiten seines „Volkes“ zu beschreiben. Zum Beispiel würden die Indonesier einfach schon immer ihren Müll neben das Haus werfen, egal, ob es jetzt Mülltonnen gäbe. Das sei einfach so, sagte er mit einem Kopfschütteln und ironischen Lächeln auf den Lippen („have you seen our trash can? It´s out there next to all the trash“). Von ihm bekamen wir unverhofft ein besseres Verständnis für Land und Leute. Außerdem durften wir dank ihm zwei außergewöhnlich köstliche Desserts probieren, zwei weitere authentische kulinarische Highlights auf unserer Indonesien Reise. Wir sind glücklich, zum Ende hin doch noch erlebt zu haben, wonach wir eigentlich gesucht hatten.

Antonia bei dem Versuch, nach 4 Monaten „Abstinenz“, in der Küche zu helfen. Es gab Pfannkuchen gefüllt mit karamellisiertem Kokosnussfleisch. Fühlte sich nach dem Verzehr an wie eine vollwertige Mahlzeit, war aber lediglich ein Snack.
Crispy fried Banana – ein Genuss!

Langsam neigte sich unsere Zeit aber ihrem unausweichlichen Ende zu. Wir entschieden, unserem Logbuch noch ein paar Tauchgänge hinzuzufügen und zum Abschluss nach Gili Trawangan (Gili = Insel auf Indonesisch) zu hoppen, eine der „drei bekannten Gilis“. Die zwischen Bali und Lombok gelegene Inselgruppe ist ein SEHR beliebtes Ziel für Backpacker, frisch Verheiratete und Familien. Und ein Taucher-Mekka. Wieder ging es mit dem Taxi quer über die Insel, diesmal aber ohne großes Palaver und auf direktem Weg. Am Hafen nahmen wir das öffentliche – also auch von den Einheimischen genutzte – Shuttleboot, was nur einen Bruchteil der Speedboote kostete, uns aber genauso sicher und wegen der geringen Entfernung auch ähnlich schnell ans andere Ufer brachte.

Shuttleboot nach Gili Trawangan – noch günstiger geht es nur mit der öffentlichen Fähre, die allerdings nur zwei Mal am Tag fährt. Wer am Schalter bzw. sogar schon am Parkplatz nicht aufpasste, dem wurde schnell ein Ticket für ein Speedboat angedreht, das zehn Mal teurer und im Ergebnis nicht viel schneller war.

Dort angekommen, war das Erste, was uns auffiel, der fehlende Rollerlärm, da motorisierte Fortbewegung auf der Insel weitgehend verboten ist. Eine sehr willkommene Abwechslung zu dem nervigen Dröhnen, Knattern und Hupen, das uns seit Jakarta begleitete. Dafür gab es hier Pferdekutschen und Fahrräder. Letztere waren nur ob ihrer Lautstärke eine Verbesserung zu den motorisierten Zweirädern. Es wurde schnell klar, dass die meisten Fahrer normalerweise selten bis nie ein solches Gefährt steuerten. Die Fahrkünste wurden bei falscher Sattelhöhe („wie Affe auf Schleifstein“, würde Antonias Mutter dazu sagen), ohne Klingel und im Dunkeln nach übermäßigem Alkoholkonsum oder dem Genuss anderer Rauschmittel (mushrooms waren sehr angesagt) nicht besser. Für den unbedarften Fußgänger wurden sie deshalb durch ihren unberechenbaren Fahrstil ebenso zur Bedrohung wie die ihn sonst heimsuchenden wild gewordenen Rollerfahrer.

Die gelben Pferdekutschen ersetzen hier die sonst typischen TukTuks.

Wir blieben jedenfalls beim Altbewährten und liefen in circa 2 Stunden zu Fuß um die Insel – diesmal ohne Blicke dafür zu kassieren. Wieder wurde augenfällig, welche Spuren die Pandemie hinterlassen hatte.

Die Natur holt sich zurück, was einmal ihr gehörte. Bei dem Versuch, dies festzuhalten, wird Carsten fast von Radfahrern über den Haufen gefahren.
Es gab aber auch Kurioses zu entdecken, wie den Freiluft-Friseur mit Meerblick.

Die Tage auf Gili Trawangan waren gefüllt mit tollen Tauchgängen, am Strand hängen, essen und dem klassischen „Sonnenuntergang-mit-einem-kühlen-Getränk-genießen“. Wie der Leser mittlerweile bemerkt haben muss, gab es für uns sehr viele Sonnenuntergänge. Tatsächlich waren sie auf Gili T. besonders spektakulär und schön. Wir erlebten wirklich jeden einzelnen sehr intensiv, kamen früher und saßen meist länger als alle anderen und führten noch das ein oder andere tiefgründige Gespräch, wenn es schon längst dunkel war. Oft verarbeiteten wir dabei unsere unzähligen bisherigen Erfahrungen, was uns gleichzeitig immer wieder daran erinnerte, wie gut es uns ging und welches Glück wir gerade hatten.

Und nochmal, weil‘s so schön war
Am letzten Abend gibts – klassisch indonesisch – Sushi

Am 11. August schließlich verließen wir die Insel mit dem Boot in Richtung Bali. Die Abfahrtszeit war auf etwa 11:30 Uhr festgelegt. Nach langer Wartezeit bei 30 Grad im Schatten kam die Fähre mit deutlicher Verspätung und verließ erst gegen 12:45 Uhr den Hafen. Die Fahrt dauerte nicht angekündigte eineinhalb sondern drei Stunden und der Wellengang verbannte Antonia bald an die frische Luft aufs Hinterdeck, wo die dort ausharrenden Kreaturen dann und wann von einer Welle getroffen und durchnässt wurden. In nasser Hose und Hemd, grün im Gesicht und an die Reling geklammert, erinnerte sie sich plötzlich an die Geschichte von einer Gruppe Australier, die wir am Vortag im Irish Pub getroffen hatten. Neben der Show, die sie in ihrem nicht ganz nüchternen Zustand geboten hatten, hatten sie unter anderem folgende Story zum Besten gegeben, als es darum ging, wie entspannt doch die Indonsier alles sehen würden: Sie waren ein paar Jahre zuvor auf eben dieser Fähre unterwegs gewesen, als kurz vor der Küste und schon in Sichtweite des Hafens plötzlich die Motoren stoppten. Wie sich herausstellte, war dem Schiff der Treibstoff ausgegangen. Auf die in einer Mischung aus Verblüffung und Ärger gestellte Frage, wie das passiere könne, immerhin bewältige das Boot ja täglich genau diese Strecke, sei mit einem Schulterzucken und den Worten „Tank ist leer“, geantwortet worden. Es habe damals weitere zwei Stunden gedauert, bis über ein kleines Boot 20 Liter Diesel an Bord gebracht worden waren. Zu Antonias Übelkeit kamen jetzt noch Horrorvorstellungen von Motorenausfall oder manövrierunfähigem Boot, gepaart mit Überlegungen zu ihrer Schwimmleistung („Zwei Kilometer sind ja jetzt auch nicht so viel, oder?“). Gott sei Dank erreichte unser Boot ohne „weitere Verzögerung“ oder Zwischenfälle sein Ziel. Auf dem Weg nach Denpasar holten wir noch unser restliches Gepäck aus der Aufbewahrung und erreichten erschöpft gegen sieben Uhr abends unser Hotel. Antonias Jeans war immer noch nass. Arme Wurst.

Am nächsten Tag wurden die Rucksäcke gepackt, ein letzter Gang zum Strand unternommen und jeder von uns durfte nochmal sein indonesisches Lieblingsgericht essen. Antonia bekam Nasi Campur (Reis mit gemischten Beilagen, die sich der Kunde aus einer Auswahl wählen darf), Carsten Pecel Lele (frittierter ganzer Wels). Außerdem legte sich Antonia in einer 4-stündigen Sitzung noch eine neue Frisur zu. Mit dem Gerede über das Ja oder Nein, Für und Wider dieser Frisur hatte sie ihren Mann zwei Monate genervt, das sollte ja nicht umsonst gewesen sein.

„I like that you’re burning it“

Dann hieß es wieder zum Flughafen und Abschied nehmen. Auch wenn es nicht die intensivsten zwei Monate unserer Reise waren, hatten wir die Zeit in Indonesien, die Einfachheit des Reisens, das überwiegend gute Wetter, die vielen Stunden am und im Wasser sowie das fantastische Essen sehr genossen. Nach fast zwei Monaten hatten wir uns schon sehr an das Leben in Indonesien gewöhnt, so dass sich vieles normal anfühlte. Insofern fiel uns der Abschied schwerer als gedacht – zumal uns gerade aufgrund der Ferne zu Deutschland noch bewusster wurde, dass wir dieses Land – wenn überhaupt – nicht mehr so bald zu Gesicht bekommen würden.

Terima kasih, Indonesien. Es war uns eine Ehre (bei diesem Satz gehen besondere Grüße nach Düsseldorf).

#travellight nach Bangkok

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