Expedition in die Antarktis – Teil 2 – Unser erster Landgang in der Antarktis

Natürlich hatten wir schon Pinguine und Robben im Zoo gesehen. Und sicherlich gibt es Orte, die einfacher zu erreichen sind, um diese Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. Aber wie wir ja schon geschrieben hatten, ging es um mehr und außerdem wollten wir die außergewöhnliche Erfahrung.

Also stiegen wir von einem großen Segelboot in ein kleines Zodiac und …

Schlauchboot Blacky verlässt in Mannschaftsstärke die Europa

…wurden erst einmal richtig nass. Schon beim Einsteigen füllten die Wellen das Zodiac fast randvoll mit Wasser, so dass man – abhängig von der Körpergröße – etwa knietief im Wasser stand. Zwar hatte uns Jordi schon von den berüchtigten nassen Landungen erzählt, diese sollten aber erst in South Georgia stattfinden und retrospektiv war unsere erste Landung auch die heftigste. Männlicherseits sorgte man sich um die Wasserdichtigkeit von Kleidung (Skiklamotten, die zuvor noch keinem Duschtest unterzogen worden sind) und Rucksack (extra neu gekauft) und angeblich (bis dato) vollständig wasserdicht. Beides hielt erstaunlich gut, obwohl auf der Hinfahrt der gesamte Körper von Welle um Welle umspült wurde. An diesem Punkt hätten sogar Skibrillen (die wir während der gesamten Tour lediglich einmal als Teambildungsmaßnahme zum Einsatz kamen, dazu später jedoch mehr) ihren Nutzen gehabt. Natalie, die Fahrerin des Zodiacs und ebenfalls völlig durchnässt, gestand auf der wesentlich ruhigeren Rückfahrt übrigens mit einem verschmitzten Lächeln, dass sie sich nach der coronabedingten Pause auch erst einmal wieder ans Zodiacfahren gewöhnen musste.

Beispiel für eine nasse Zodiacfahrt in South Georgia. Unsere erste Fahrt haben wir leider nicht gefilmt.

Als die Mannschaft in kleineren Gruppen in die Schlauchboote verfrachtet wurde, hatte man im Übrigen den Eindruck, dass kaum einer den tags zuvor getätigten Ausführungen von Maria zugehört hatte. Viele schienen auch noch nie von einem sich bewegenden Objekt auf ein anderes sich bewegendes Objekt gestiegen zu sein.

Bei der Landung in der Bucht sprang man noch einmal ins Wasser, was aber trotz Wellen weniger hoch war als im Zodiac. Auf Drängen der guides begab man sich so schnell wie möglich an Land, legte die Rettungsweste ab, um dann zu realisieren, dass man sich schon jetzt zwischen Robben und Pinguinen befand. Irgendwie surreal und überwältigend. Jordi hatte noch keine Maske aufgesetzt und wir freuten uns, ihn über das gesamte Gesicht grinsen zu sehen: „Welcome to Antarctia. It‘s beautiful, isn‘t it?“ sagte er und schien zu wissen, dass wir wahnsinnig berührt waren. Zugegebenermaßen konnte man(n) sich die ein oder andere Träne tatsächlich nicht verkneifen.

Der Rundgang war wie so vieles in den letzten Tagen unvergesslich. Die Bilder sollten für sich sprechen. Antarktis – und wir mittendrin.

Nach ungefähr zwei Stunden mussten wir zurück auf die Europa. Wir wunderten uns wieder, dass beim Aussteigen aus dem Zodiac keiner ins Wasser fiel.

Es begann das große Stiefelreinigen (Stichwort: biosecurity). Die bisher sehr tauglichen Stiefel offenbarten hier leider große Nachteile. Die Sohle, die laut Herstelleraussage auf allen Untergründen festen Stand versprach und dieses Versprechen bis auf wenige Ausnahmen hielt (selbst Toni hat Carstens Abflug über das halbe Deck gesehen), war ebenfalls ziemlich gut darin, alle Arten von Dreck und Steinen anzusammeln. Selbst unter Anwendung von Schraubenziehern und nach mehrfachen Bürsten war unseren hohen Reinigungsansprüchen noch nicht Genüge getan. Und um auf das geplante Chaos zurückzukommen: Mit regelmäßiger Zufuhr von frischem Wasser wäre der Reinigungsaufwand auch unsere Dreckmagneten sicher niedriger gewesen und womöglich würde man so vermeiden, dass man sich die eigentlich sauber gebliebenen Klamotten dreckig bürstet… Egal, es war der Hammer!

Carstens neue Leidenschaft

Am Nachmittag gab es dann noch eine Lektion über Pinguine von Jordi, so dass wir zumindest in dieser Hinsicht besser einordnen konnten, was wir alles gesehen hatten.

Wir hätten gerne noch geschrieben, dass wir uns wie große Entdecker oder Pioniere fühlten bzw. fühlen. Die Bark Europa und ihre Crew boten aber jederzeit Sicherheit und Luxus, was sich Shackleton und Co. noch nicht einmal im Ansatz erträumen konnten.

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